Kolumne von Allan Guggenbühl (Basler Zeitung, 18.09.2015)
Stockholm, Herbst 2005: Die Jugendlichen lagen regungslos auf dem Boden. Das Resultat einer wilden Schiesserei, die sie inszeniert hatten. Das war also ihre Schlussversion der Geschichte, die wir ihnen erzählt hatten! Es handelte sich um Flüchtlinge aus Somalia, die in Schweden Asyl erhalten hatten. Da es Probleme mit ihnen gab, wurde ich eingeladen, zusammen mit schwedischen Kollegen mit ihnen mythodramatisch zu arbeiten, das heisst über die Auseinandersetzung mit einer Geschichte eine eigene Perspektive zu entwickeln. Die Ausgangsgeschichte war harmlos: Ein paar Kollegen unternehmen eine Reise im Orinoco. Normalweise entwickeln Kinder oder Jugendliche fantasiereiche Fortsetzungen: Gold wird gefunden, ein Indianerstamm nimmt sie auf oder wilde Tiere werden bekämpft. Nicht so bei diesen Jugendlichen: Ihre Geschichte endet im Desaster. Ihr Ende verriet ihre Befindlichkeit: Je länger sie in Schweden lebten, desto fremder fühlten sie sich. Continue reading